Das Hufeisen als Glückssymbol (Glücksbringer)
Ein gefundenes Hufeisen gilt als Glücksbringer, wenn es mit der Öffnung nach oben aufgehängt wird (sonst fällt das Glück heraus). Das Hufeisen bekam seine Bedeutung als Glückssymbol durch den früheren Transport von Liebesbriefen mit Postkutschen und berittenen Kurieren.
Es wurde zum Glücksbringer,
weil es die Form des aufgehenden Mondes hat. Eine weitere Deutung geht auf
den heiligen Dunstan zurück, der ein geschickter Hufschmied war. Einst
sollte er des Teufels Huf beschlagen, und dabei schlug er so fest zu, dass
der Teufel um Gnade winselte. Der Heilige hörte aber mit dem Hämmern erst
auf, nachdem der Teufel versprochen hatte, alle jene zu verschonen, die ein
Hufeisen tragen. Der Glaube an die Kraft des Hufeisens, Böses abzuweisen und
Glück zu bringen, ist in der ganzen Welt verbreitet, vor allem im deutschen
Sprachraum, und hier speziell im lutherischen Norden.
Das Hufeisen muss mit der Öffnung nach unten gehalten werden, damit das
Glück auslaufen kann. Hufeisen müssen gefunden werden, man darf sie nicht
suchen. Sind zumindest noch drei Hufnägel daran erhalten, so bedeutet das
besonderes Glück. Im Hause wird das Hufeisen meist über der Schwelle der
Haustür angebracht oder aber an einer Haus-, Stall- oder Stubentür oder an
einem Deckenbalken. Und dies meist am Silvesterabend, in der Johannisnacht
oder am Karsamstag. Eine andere Erklärung für die symbolische Kraft des
Hufeisens liegt darin, dass das Hufeisen des Pferdes Schuh ist. Das Pferd
wurde in prähistorischer Zeit höher geachtet als der Stier. Vielleicht weil
es sich erst sehr viel später domestizieren ließ und mit seiner Kraft, mit
seinem Aufbäumen, wehender Mähne und blitzenden Zähnen ein Urbild der
unbezähmten Natur war. Wotan opferte man Pferde, die danach verzehrt wurden,
was Pferdefleisch als Alltagsspeise tabu machte. Und seitdem Pferde als
Reit- und Zugtiere beschlagen wurden, was von den Griechen erfunden sein
soll, ist das Hufeisen bei allen Völkern, die Pferde für Krieg und Arbeit
brauchten, als symbolkräftiges Teil fürs Ganze ein starkes Amulett.
Freilebende Pferde brauchen keinen Hufbeschlag. Bei ihnen wächst das Hufhorn in gleichem Maße nach wie es sich abnutzt oder ausbricht. Bei Nutzung des Pferdes durch Anspannung (Zugtier, Fahren) und Reiten, vor allem auf hartem Boden, wird der Huf schneller abgenutzt, als er nachwachsen kann – solche Pferde brauchen einen Hufbeschlag. Hufeisen werden mit Nägeln am Hornteil der Hufe befestigt und halten so erheblich besser, als früher (siehe Geschichte). Da der Huf auch unter dem Hufeisen nachwächst, sollten Hufeisen alle sechs bis acht Wochen abgenommen und die Hufe ausgeschnitten werden. Damit das Hufeisen gut auf dem Huf aufliegt, wird es üblicherweise vor dem Aufnageln stark erhitzt, geformt und dann noch heiß auf den Huf gelegt, um noch vorhandene Unebenheiten im Horn zu glätten. Dann wird das Eisen gekühlt und aufgenagelt. Durch das Aufbrennen entstehen dem Pferd bei richtiger Handhabung, keine Schmerzen, allerdings erschrecken manche Pferde vor dem aufsteigenden Qualm und bei häufiger Anwendung trocknet das den Huf aus. In letzter Zeit werden deshalb immer mehr Pferde "Kalt beschlagen", d.h. ohne vorheriges aufbrennen des Eisens. Dies setzt allerdings eine sehr exakte Vorbehandlung des Hufes voraus.
Werden Pferde nicht oder nur wenig geritten brauchen sie keine Hufeisen; sie gehen sozusagen barfuß. Aber auch bei ihnen muss der Huf regelmäßig vom Fachmann (Hufschmied, Hufpfleger) ausgeschnitten werden. Bei therapeutischen Beschlägen ist eine verkürzte Beschlagperiode von ca. vier Wochen durchaus normal.
Als Gleitschutz dienen die mittigen Rillen im Hufeisen, wo auch die Löcher für die Nägel eingebracht sind. Als erweiterten Gleitschutz kann man Hufeisenzusätze oder auch Nägel mit großen Köpfen (z.B. Eisnägel) verwenden.
Im Pferderennsport werden Spezialhufeisen verwendet um bestimmte Effekte zu erreichen. Rennpferde tragen fast ausschließlich Aluminiumhufeisen, da diese ein geringeres Gewicht haben.
Schon im Altertum suchten die Menschen nach einem Schutz für die Hufe. Die Notwendigkeit eines Hufschutzes für Pferde war durch die militärische Nutzung der Pferde hervorgerufen. Hier wurden die Pferde über ihre natürlichen Möglichkeiten und Grenzen hinweg beansprucht. Tagesmärsche von bis zu 200 km waren üblich.
Die Ägypter verwendeten geflochtene Sandalen aus Bast oder Lederschuhe, die mit Stricken oder Riemen ans Pferdebein gebunden wurden. Allerdings waren solche Konstruktionen wenig haltbar. Die Römer verwendeten bereits Hufbeschlag aus Bronze oder Eisen, aber auch bei ihnen verursachten die Riemen Scheuerwunden. Bei schnellem Ritt flogen die gebundenen Eisen schnell weg oder die Pferde gerieten ins Straucheln. Genagelte Hufeisen, wie sie heute verwendet werden, gibt es vermutlich seit dem 5. Jahrhundert in Europa, wahrscheinlich wurden sie von Hunnen aus Asien mitgebracht.
Obwohl viele Historiker glauben, Hufeisen seien eine Erfindung des frühen Mittelalters, so sind doch einige in der Nähe von Neupotz (Deutschland) in einem Fluss gefunden worden als Teil einer Beute aus einer römischen Villa. Sie werden auf 294 n. Chr. datiert. Bei diesem Fund konnte das benutze Eisen allerdings nicht auf die Zeit 294 n. Chr. datiert werden. Man vermutet daher, dass hier eine Überlagerung von zeitlichen Perioden an einem Fundort stattgefunden hat.
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